Prinzregententheater backstage

Die Idee für ein Wagner-Festspielhaus hatte ursprünglich König Ludwig II. Und zwar sollte dieses ganz sicher nicht in Bayreuth, sondern in München gebaut werden. Er beauftragte Gottfried Semper mit der Planung, der das Haus am Isarhochufer errichten wollte.

Nachdem der Wagner-Tempel in Bayreuth entstand, wollte München weiterhin ein Festspielhaus. Der Prinzregent Luitpold genehmigte den Bau, der dann  innerhalb eines Jahres fertiggestellt wurde. Im August 1901 wurde das Haus mit den Meistersingern von Nürnberg feierlich eröffnet. Das Theater wurde nach dem Prinzregenten benannt, der mit Musik jedoch nicht viel anfangen konnte und wohl nie eine Aufführung dort erlebt hat.

Prinzregententheater-Muenchen

Im Gegensatz zur Staatsoper wurde das Prinzregententheater im 2. Weltkrieg nur wenig zerstört und so fand die Oper hier bis 1964 Zuflucht. Im März 1964 wurde das Haus jedoch für baufällig erklärt und fiel in einen Dornröschenschlaf und es musste erst ein August Everding kommen, der es mehr als 20 Jahre später wieder wachküsste.

Im hinteren Teil, den ich heute ebenfalls besichtigen konnte, befindet sich das Akademietheater. Hier werden die Regie-, Schauspiel- und Musicalproduktionen der Theaterakademie August Everding aufgeführt. Als eigenständiges Werkstatt-Theater bietet es Raum für die Produktionen, die in Zusammenarbeit der verschiedenen Studiengänge entstehen.

Im Jahr 1993 gründete der Freistaat Bayern durch die Initiative August Everdings die Bayerische Theaterakademie mit der Absicht, künstlerische Ausbildung für eine Vielzahl von Theaterberufen unter einem Dach zu ermöglichen. Sitz dieses Lehr- und Lerntheaters wurde das Prinzregententheater in München. Seit der Spielzeit 2014/2015 wird sie von Prof. Hans-Jürgen Drescher geleitet. Mit acht Studiengängen und drei professionell ausgestatteten Theatern (Prinzregententheater, Akademietheater, Akademiestudio) ist die Theaterakademie August Everding die größte Ausbildungsstätte für Bühnenberufe in Deutschland.

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Herrn Professor Drescher durfte ich heute ebenfalls kennenlernen. Er zeigte uns seinen („Münchens schönsten“) Arbeitsplatz und gab interessante Einblicke.

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Bildschirmfoto 2016-02-14 um 09.07.32

Dies schreibt Tobias Hell vom Münchner Merkur über die
„Carmen für die Generation Twitter“:

Foto aus dem Merkur
Foto aus dem Merkur

Bizets „Carmen“ in die Karten geschaut: Die Bayerische Theaterakademie öffnet ihre Probe für Twitterer und Blogger

Das passiert einem auch nicht jeden Tag, dass einem beim Betreten des Theaters umgehend ein WLAN-Code in die Hand gedrückt wird. Normalerweise ist man schließlich dazu angehalten, das Handy zum Wohle des ungestörten Kunstgenusses erst nach der Vorstellung wieder anzuschalten. Aber bei dieser halböffentlichen Hauptprobe zur bevorstehenden „Carmen“-Premiere der Bayerischen Theaterakademie ist eben alles ein wenig anders als sonst – und Smartphone oder iPad explizit erwünscht.
Während die meisten Häuser ihre Geheimnisse gerne so lange wie möglich hüten, waren hier neugierige Theaterfans eingeladen, schon vorab und live aus der Probe zu twittern, um die dort gesammelten Eindrücke auf ihren Blogs im Netz zu verbreiten. Was einen schließlich als einzigen „Analogen“ in der Runde animierte, zumindest via Facebook ein paar private Kommentare abzusetzen. Die immer größere Bedeutung der Sozialen Netzwerke und digitalen Kanäle ist längst auch den Theatern bewusst. Kein Haus, das etwas auf sich hält, kommt mehr ohne Webpräsenz mit eigenem Youtube-Channel, Instagram- oder Twitter-Account aus. Doch anders als die sonst von Werbe-Überlegungen motivierten Tweets der Pressestellen, sammelt die Theaterakademie nun unter dem Hashtag „#carmenundich“ vor allem persönlich gefärbte – und selbstverständlich unzensierte – Eindrücke aus dem Probenprozess, die den hauseigenen Blog ergänzen.

Und das mit Erfolg: Am Wochenende brachte es „#carmenundich“ bei den deutschlandweiten Twitter-Trends gleich bis auf Platz fünf und lag zwischenzeitlich sogar vor der Sicherheitskonferenz. Für @VinzentLeitgeb keine Überraschung: „Wer braucht schon die #MSC2016, wenn man mit eingeschaltetem Smartphone in die Oper darf. Bin schon gespannt.“ So dürfte es auch kaum verwundern, dass die Kommentare aus dem Prinzregententheater unterm Strich deutlich positiver ausfielen, als die vor dem Bayerischen Hof. „So! habt ihr Carmen noch nie gesehen! Bin schon nach den ersten Minuten beeindruckt!“, liest man da etwa von @alltagdigital, dem auch sein Vortwitterer zustimmt: „Vergesse immer, dass Studierende auf der Bühne sind. Weil sie so gut sind und mich noch nie ein Orchester zur Uni begleitet hat.“

Die Theaterakademie hätte sich für ihren Twitter-Vorstoß kaum ein besseres Werk aussuchen können. Selbst wenn Bizets Klassiker neben „Aida“ und „Bohème“ das populäre ABC eines jeden Opernhauses bildet, legt schon der Titel „Carmen assassinée“ nahe, dass in der Version von Regisseur Christof Nel nicht alles so ist, wie man es von Staatsoper oder Gärtnerplatztheater gewohnt ist. Angefangen vom Fehlen des Chores bis hin zu den Auszügen aus Prosper Mérimées literarischer Vorlage, die hier die Dialoge ersetzen. Manche dieser Textbruchstücke werden von Ausstatter Thomas Goerge auch auf die karge Bühne oder mit Videoschnipseln via kreisendem Beamer in den Zuschauerraum projiziert. Ausschnitte aus Stummfilmen von Ernst Lubitsch oder Cecil B. DeMille flackern an einem vorbei, auch Probenfotos und Urlaubsschnappschüsse. Kein Bilderbuchspanien soll heraufbeschworen werden, sondern in Goerges Worten „kleine, Assoziationen weckende Gehirnblitze“, die in ihrer Frequenz den auf 140 Zeichen begrenzten Tweets ähnlich sind.

Mit knackigen 110 Minuten ohne Pause scheint diese „Carmen assassinée“ perfekt für die Aufmerksamkeitsspanne der Generation Twitter. Und auch sonst gibt es so einiges an Identifikationspotenzial zwischen @cogries und den Mitwirkenden: „Im Orchestergraben spielen die Percussionisten übrigens mit dem Handy.“ Dirigent Karsten Januschke wird es großzügig verzeihen. Sobald nämlich der nächste Einsatz bevorsteht, ist ihm die ungeteilte Aufmerksamkeit der Damen und Herren des Münchner Rundfunkorchesters wieder sicher.

Mit vereinten Kräften wird daran gearbeitet, Bizets oft zu biederen Wunschkonzertnummern degradierte Komposition ordentlich zu entstauben. Ein Vorsatz, der unter anderem bei @extemporierer auf Begeisterung stößt. „Entreacte – damit hab ich am meisten Problem. Dirigent Januschke offensichtlich nicht. Ohne falsche Verklärung. Top!“ Und wer es trotz dieser neugierig machenden Kommentare in keine der vier Aufführungen schafft, findet ebenfalls im Internet Abhilfe. Der Bayerische Rundfunk streamt die Premiere live auf http://www.br-klassik.de und hält die Aufzeichnung für sechs Monate „on demand“ parat.

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