Anmerkungen zur Flüchtlingskrise

Auf die Lage in Syrien wurde ich recht frühzeitig aufmerksam. Bis 2012 habe ich die besonders sensiblen Embargoländer wie Iran und Syrien noch selber bearbeitet. Unser syrischer Partner kam aus Aleppo und erzählte mir regelmäßig von den Zuständen in seiner Stadt, die sich zu dieser Zeit hier niemand vorstellen konnte.

Aleppo kann auf eine unglaublich lange Geschichte zurückblicken: es wird bereits in Quellen aus dem 19. Jahrhundert v.Chr. genannt. 1986 wurde Aleppos Altstadt zum Weltkulturerbe erklärt. Das Foto oben zeigt Aleppo vor dem Krieg.

Bis 2011 haben in Europa die wenigsten realisiert, was sich im Nahen Osten zusammenbraut. Im August 2011 veröffentlichten Deutschland, Frankreich und Großbritannien eine Erklärung, in der sie den Rücktritt der Assad-Regierung fordern, da er „jede Legitimität verloren habe“. Auch US-Präsident Barack Obama fordert den Rücktritt. Der Westen verhängt Sanktionen – gebracht hat das leider nichts.

Die syrische Armee schreckte nicht einmal davor zurück, Fassbomben gegen die Zivilbevölkerung einzusetzen. 2013 sind bereits 2,8 Millionen syrische Flüchtlinge allein in den Nachbarländern. Die Weltgemeinschaft hat sich an den Krieg gewöhnt und ignoriert ihn.

2013 gab es insgesamt 127.023 Asylanträge in Deutschland, fast 50.000 mehr als im Vorjahr,  2014 stiegen die Anträge in Deutschland um 60 % auf 202.645. Im vergangenen Jahr 2015 überstieg dann die Zahl der Asylsuchenden die Millionengrenze – fast die Hälfte kam aus Syrien.

Anfang März 2016 wurde die Balkanroute durch gemeinsame Beschlüsse einer engeren Konferenz in Wien sowie einer Konferenz aller EU-Premierminister in Brüssel geschlossen: Die Länder Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Slowenien lassen fortan nur noch Flüchtlinge mit gültigem Reisepass und den nötigen Visen ins Land. Seitdem stauen sich die Flüchtlinge an der griechisch-mazedonischen Grenze. Am 18. März 2016 wurde zwischen der EU und der Türkei ein Flüchtlingsabkommen geschlossen, das am 20. März in Kraft getreten ist und nach der Schließung der Balkanroute vorläufig einen weiteren Rückgang der Flüchtlingszahlen herbeigeführt hat. Vom Jahresbeginn bis 23. März 2016 reisten noch 109.000 Flüchtlinge nach Deutschland ein.

Zu Pegida und zur AFD will ich mich an dieser Stelle gar nicht äußern. Bevor aber jemand auf die Idee kommt, gegen die Islamisierung des Abendlandes zu demonstrieren, wäre es sicher hilfreich, sich vorher mit den Fakten zu beschäftigen:

Vier Millionen Muslime leben aktuell in Deutschland, das ist ein Anteil von 5 % der Gesamtbevölkerung. 45 % der Muslime haben die deutsche Staatsangehörigkeit.

Was man tunlichst nicht verwechseln sollte, ist Islam und Islamismus.  Islamismus ist eine islamisch begründete politische Ideologie mit der Vision eines islamischen Gottesstaates. Der Verfassungsschutz zählt 43.890 Personen zum islamistischen Milieu. Das sind lediglich ein Prozent aller Muslime in Deutschland.

Die vorgenannten Zahlen hat die Berteslmann-Stiftung zusammengetragen. In diesem Factsheet habe ich gelernt, dass auch ich einen Migrationshintergrund habe, da ich von Norddeutschland nach München gezogen bin. Ein Migrant ist im Prinzip jeder, der an einen anderen Ort zieht.

Deutschland hat seit dem 2. Weltkrieg bereits einige Einwanderungswellen bewältigt. So kamen z.B. bis 1950 acht Millionen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Westdeutschland und zwischen 1955 und 1973 kamen 14 Millionen „Gastarbeiter“ aus Italien, der Türkei etc. zu uns.

Über 96 % der Menschen mit Migrationshintergrund leben in Westdeutschland und Berlin. Im Osten, wo die Angst vor der Islamisierung bekanntlich besonders groß ist, leben nicht einmal 4 %.

Und noch ein abschließender Hinweis für die ängstlichen AFD-Wählern, die sich aufgrund der vielen Flüchtlinge nicht mehr auf die Straße trauen: Die Kriminalität unter den Asylsuchenden ist nicht höher als in der deutschen Bevölkerung. Asylsuchende aus dem Irak, Syrien und dem Iran sind sogar unterdurchschnittlich selten kriminell auffällig.

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