Industrie 4.0

unbenannt

Ist „Industrie 4.0“ nur ein Buzzword, oder befinden wir uns tatsächlich mitten in der größten industriellen Revolution?

Auch die Bundesregierung hat mittlerweile erkannt, dass sich die Wirtschaft durch die Digitalisierung massiv verändert. So wurde unter der Leitung der Minister Wanka und Gabriel das „Zukunftsprojekt Industrie 4.0“ gestartet. Woher kommt dieser Begriff und was ist damit eigentlich gemeint?

Vor der „Industrie 4.0“ war ein beliebtes Modewort das „Web 2.0“ . Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass nach der 1. Internet-Version, die wir eher passiv genutzt haben, durch die Sozialen Medien das Web 2.0 entstand. Plötzlich war der Nutzer nicht mehr reiner Konsument, sondern es war eine Kommunikation in Echtzeit möglich.

Nun also Industrie 4.0: Zurückverfolgen lässt sich die Benutzung dieses Begriffes bis zur Hannover-Messe 2011. Wie kam man auf die Version 4.0 und was waren die vorherigen Versionen?

  • 1.0: erste Massenproduktion von Maschinen und die Nachfolgende Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft
  • 2.0: Einführung der Elektrizität als Antriebskraft und Massenfertigung mit Hilfe von Fließbändern
  • 3.0: Automatisierung durch den Einsatz von Elektronik und IT
  • 4.0: durch das Internet der Dinge wird in den Smart Factories nicht mehr auf Lager, sondern nach Bedarf produziert. Auf Trends, Geschmäcker und die Bedürfnisse des Absatzmarktes kann nun schneller und exakter reagiert werden. Dabei ist unübersehbar, dass ein Großteil der Arbeit, die heute noch Menschen verrichten, zukünftig durch Maschinen viel effektiver erledigt werden kann.

Ob und wie sinnvoll dieser Begriff Industrie 4.0 ist, sei dahingestellt. Tatsache ist jedoch, derzeit entsteht eine neue Generation von Maschinen, die nicht nur besser heben, schweißen, bohren können als Menschen, sondern auch immer komplexere kognitive Aufgaben übernehmen: Lesen, Schreiben, Sprache und Zusammenhänge verstehen.

Was sind die Gründe dafür, dass sich unsere Arbeitswelt derzeit so rasant verändert?

  1. die Rechenleistung und die zu verarbeitenden Datenmengen wächst rasant
  2. die Maschinen können nicht nur strukturierte Daten verarbeiten, sondern auch unstrukturierte
  3. die Maschinen können mittlerweile lernen

Das Informationszeitalter hat die Produktion erreicht: die wird nun digital, vernetzt und flexibel. Voraussetzung dafür ist eine vollautomatische, mit Lieferanten, Partnern und Märkten vernetzte und hochflexible Produktionsstätte mit einer personalisierten, individuellen Produktion. Produkte kommen nicht mehr von der Stange, sondern werden nach den Erfordernissen und Bedürfnissen einzelner Kunden gefertigt. Neue Märkte und Wachstum generiert man nur noch durch flexible, individuelle Produkte. Das wird nahezu alles, was uns vertraut vorkommt, nachhaltig verändern.

Die Produktion ist in Zukunft ein Teil des Internets der Dinge, in dem Daten gesammelt und ausgetauscht werden. Was man da beherrschen muss, ist die Kunst des Zusammenbringens, der gelungenen Kommunikation.

Doch die Deutschen fremdeln immer noch mit der Wissensgesellschaft und ihren Möglichkeiten. Statt die Chancen zu erkennen, schlägt gerade bei den älteren Deutschen die German Angst durch und es wird gejammert, weil die Maschinen uns bald alle Jobs wegnehmen werden.

Vom „Ende der Arbeit“ war jedoch bereits in den 1990er Jahren die Rede und dennoch erreichte im November 2015 die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland einen neuen Höchststand seit der Wiedervereinigung.

Es scheint aber unbestritten zu sein, dass ein großer Teil der Arbeitsplätze in Deutschland akut gefährdet ist. Sie können bereits jetzt durch Automaten, Software, Prozesse und Roboter ersetzt werden. Büro- und Hilfsarbeitsplätze stehen ganz oben auf der Liste, ebenso Tätigkeiten wie z.B. in der Logistik oder der Montage, die einen hohen Routinecharakter, begrenzte Handlungskomplexität und geringe Anforderungen an Erfahrung und Wissen haben. Solche Berufe lassen sich problemlos in Algorithmen überführen und werden künftig von Maschinen erledigt.

Was macht nun ein Arbeiter, der heute noch eine einfache Maschine bedient? Mittlerweile werden die Rufe nach einem bedingungslosen Grundeinkommen lauter. Doch statt darauf zu hoffen, erscheint es mir sinnvoller zu sein, sich digitale Kompetenz anzueignen. Es entstehen eine Vielzahl von ganz neuen Jobs, doch die werden in Zukunft immer anspruchsvoller. Gewinner dieser Entwicklung werden vor allem Beschäftigte mit höheren Qualifikationen sein.

Künftig ist weniger der Maschinenbediener gefragt, sondern eher der Erfahrungsträger, Entscheider und Koordinator.

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